Nino Schurter gewinnt Olympia-Silber!

12.08.2012 16:07:00 | |
Nach einem Hitchcock-Finale gewinnt Nino Schurter die Silbermedaille an den Olympischen Spielen in London hinter Weltmeister Jaroslav Kulhavy (Tschechien).

Die 4,8 Kilometer lange Strecke auf der Hadleigh Farm liess einiges Spektakel erwarten. Die künstlich angelegte Runde wartete mit vielen eingebauten Hindernissen und gewundenen Serpentinen auf. Da lange Anstiege fehlten, die eine frühe Selektion herbeiführen könnte, war eine enge Entscheidung und ein schnelles Stundenmittel zu erwarten.

Die Erwartungen waren hoch, und schon auf der Startlinie richteten sich sämtliche Blicke der Konkurrenz auf Nino. Als der Startschuss fällt, übernimmt zuerst Ninos Teamkollege und Landsmann Florian Vogel die Führung, Nino heftet sich sofort an sein Hinterrad und meistert den Start somit nach Lehrbuch. Kurz darauf setzt sich Nino gleich selbst an die Spitze und sorgt für eine erste Tempoverschärfung.

Diese führte sogleich zu einem ersten Einreihen der Konkurrenten und lässt ein Spitzentrio, bestehend aus Schurter, Kulhavy und Marco Fontana (Italien) entstehen. Dahinter folgen Burry Stander (Südafrika) und José Antonio Hermida (Spanien). Nach der ersten Runde beträgt deren Rückstand bereits zehn Sekunden.

Es sind vorwiegend Nino und Kulhavy, die das Tempo gestalten während Fontana sich geschickt zurück hält und in den Rollerabschnitten vom Windschatten profitiert. Hinten kommt das Verfolgerduo etwas näher und nach zweienhalb Runden schaffen Stander und Hermida schliesslich den Zusammenschluss.

Das Führungsquintett mit Nino, Kulhavy, Stander, Hermida und Fontana fährt lange Zeit zusammen. Obwohl Attacken weitgehend ausbleiben, wächst der Vorsprung auf die nächsten Verfolger sukzessive an, so dass bald klar wird, dass der Olympiasieger dieser Gruppe entspringen wird.

In der fünften Runde vermögen schliesslich Stander und Hermida nicht mehr mitzuhalten und fallen aus der Entscheidung. Und noch immer sind es Schurter, der sich in den Abfahrten an die Spitze setzt, und Kulhavy, der die flächeren Rollerabschnitte übernimmt, die das Tempo des Rennens bestimmen.

Als es auf die zweitletzte Runde geht, folgen die ersten Attacken. Kulhavy verschärft das Tempo, Nino und Fontana folgen. Später ist es Fontana, der mächtig aufs Gas drückt und eine kleine Lücke aufreisst, doch auf dem nachfolgenden flachen Abschnitt gelingt es Nino, die Lücke wieder zu schliessen, so dass das Trio vorerst noch zusammen bleibt und gemeinsam die Ziellinie zur letzten Runde überqueren.

Spätestens jetzt wird klar, dass es eine enge Entscheidung geben wird. Die Drei belauern sich, bis schliesslich Fontana an der selben Stelle wieder attackiert. Nino geht mit, während Kulhavy ein paar Zentimeter verliert, dann aber wieder den Anschluss herstellt. Nun geht Kulhavy nach vorne und auf einmal kann Fontana dem Tempo nicht mehr folgen und muss definitiv abreissen lassen.

Die Entscheidung wird also zwischen Nino und Kulhavy fallen. Nino versucht noch einmal, den Tschechen abzuschütteln, doch dieser hält dagegen. Im letzten Aufstieg vor der Zielgeraden findet dann der eigentliche Sprint um Gold statt. Nino ist zuerst noch vorne und kämüft wie ein Löwe, doch Kulhavy mag sich zuoberst an Nino vorbeischieben und fährt mit einer kleinen Lücke dem Ziel entgegen. Auf den letzten Metern versucht Nino noch einmal, vorbeizukommen, doch es ist nichts mehr zu machen.  Hauchdünn gewinnt Kulhavy die Olympischen Spiele in London, Nino Schurter gewinnt die Silbermedaille.

"200 Meter vor dem Ziel hatte ich noch gedacht, ich mache es. Kulhavy war aber cleverer als ich und so muss ich mit Silber zufrieden sein" gibt Nino im Ziel zu Protokoll. Immerhin glänzt Silber mehr als die bronzene Medaille aus Peking, womit Nino sein angekündigtes Ziel erreicht hat.

Ninos Teamkollege Florian Vogel hat nach einem fulminanten Start mit der Hitze zu kämpfen und fällt immer weiter zurück. Am Ende gibt es für ihn Rang 25.